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Pharma-Marketing im B2B: So gewinnen Zulieferer planbar Anfragen

Pharma-Marketing im B2B funktioniert, wenn es die lange Lieferantenqualifizierung begleitet und Fachleute aus Entwicklung, Qualitätssicherung und Einkauf mit belastbaren Unterlagen versorgt. Dieser Artikel zeigt, was Sie bewerben dürfen, welche Kanäle wirken und wie Sie in fünf Schritten starten.


Felix Schumann

Inhaber und Geschäftsführer

Veröffentlicht

Lesezeit

6

Minuten

Inhalt

Das Wichtigste in Kürze

Was ist Pharma-Marketing im B2B?

Pharma-Marketing im B2B umfasst alle Maßnahmen, mit denen Zulieferer, Lohnhersteller und Hersteller von Laborgeräten oder Medizintechnik ihre Kunden in der Pharmaindustrie erreichen. Das Ziel sind qualifizierte Anfragen von Fachleuten, die einen Lieferanten prüfen und freigeben. Mit Publikumswerbung für Arzneimittel hat das wenig zu tun.

Die Suchanfrage „Pharma Marketing“ vermischt zwei Welten. Die eine ist das Produktmarketing der Arzneimittelhersteller gegenüber Ärzten, Apotheken und Patienten, streng reguliert und meist in Konzernhand. Die andere betrifft den Mittelstand, der die Branche beliefert: Hilfsstoffe, Primärverpackung, Analytik, Reinraumtechnik, Anlagenbau und Testsysteme für die Entwicklung. Um diese zweite Welt geht es in diesem Beitrag.

Was dürfen Sie im Pharma-Marketing bewerben?

Wer Arzneimittel, Medizinprodukte oder In-vitro-Diagnostika bewirbt, unterliegt dem Heilmittelwerbegesetz (HWG). Gegenüber Fachkreisen ist dabei deutlich mehr erlaubt als gegenüber dem Publikum. Zulieferer, deren Produkte selbst keine Heilmittel sind, etwa Laborgeräte oder Verpackungsmaschinen, fallen in der Regel nicht unter das HWG. Irreführende Aussagen sind trotzdem für alle tabu.

Das HWG erfasst nach § 1 ausdrücklich auch Medizinprodukte. Die Werbeverbote aus § 11 gelten nur außerhalb der Fachkreise. Zu den Fachkreisen zählen nach § 2 Angehörige der Heilberufe, Gesundheitseinrichtungen und alle, die mit den Produkten erlaubterweise handeln oder sie beruflich anwenden. Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel ist nach § 10 nur gegenüber diesen Fachkreisen zulässig. Für Medizinprodukte verbietet zusätzlich Artikel 7 der Medizinprodukteverordnung (MDR) irreführende Angaben zu Zweckbestimmung, Sicherheit und Leistung.

Für die Praxis heißt das: Klären Sie vor dem ersten Beitrag mit Ihrer Rechts- oder Regulatory-Abteilung, ob Ihr Produkt unter das HWG fällt und wer Ihre Inhalte sehen darf. Ein Fachbeitrag auf LinkedIn ist öffentlich und erreicht nicht nur Fachkreise. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.

Warum dauern Kaufentscheidungen in Pharma und Medizintechnik so lange?

Ein neuer Lieferant muss beim Kunden qualifiziert werden. Die Qualitätssicherung prüft Unterlagen, oft folgt ein Audit, und jede Änderung an Material oder Prozess läuft über Change Control. Bei zulassungsrelevanten Materialien kann ein Wechsel zusätzlich eine Änderungsanzeige bei der Behörde auslösen. Deshalb wechseln Kunden selten und prüfen gründlich.

Schon branchenübergreifend dauert ein B2B-Kaufprozess laut 6sense im Schnitt 11,3 Monate, und durchschnittlich elf Personen entscheiden mit. In regulierten Branchen kommen Qualifizierung und Validierung noch hinzu. Wer erst mit dem Marketing beginnt, wenn der Vertrieb Umsatz braucht, kommt zu spät, weil die Auswahl der Lieferanten lange vor dem ersten Gespräch fällt.

Quelle: 6sense, 2024 Buyer Experience Report. Branchenübergreifende Befragung von B2B-Käufern, keine Pharma-Auswertung.

Welche Kanäle funktionieren für Pharma-Zulieferer?

Am besten funktionieren Kanäle, die technische Tiefe transportieren und gezielt Fachleute erreichen. Dazu zählen die eigene Website mit Fachunterlagen und LinkedIn über die Profile Ihrer Fachexperten. Fachwebinare, Google-Anzeigen auf präzise Fachbegriffe und Fachmessen ergänzen das als Teil einer längeren Kampagne.

Kanäle für Pharma- und Medizintechnik-Zulieferer im Vergleich

Kanal

Rolle im Kaufprozess

Wen Sie erreichen

Aufwand

Website mit Fachinhalten

Wird geprüft, bevor jemand anfragt

Entwicklung, Qualitätssicherung

Mittel

LinkedIn

Baut Vertrauen bei bekannten Zielkunden auf

Fachleute, Geschäftsführung

Mittel

Fachwebinar

Zeigt Kompetenz und liefert Kontaktdaten

Entwicklung, Anwendungstechnik

Wenige Wochen

Google-Anzeigen auf Fachbegriffe

Fängt akute Suchen ab

Entwicklung, Einkauf

Hoch

Fachmesse

Persönlicher Kontakt, Audit vorbereiten

Einkauf, Geschäftsführung

Gering

Entscheidend ist das Zusammenspiel. Fachleute lernen Ihren Namen meist über einen Fachbeitrag oder ein Webinar kennen. Steht später ein Projekt an, suchen sie gezielt, und dann muss Ihre Website die Unterlagen bereithalten, die eine Qualifizierung erleichtern: Spezifikationen, Zertifikate, Angaben zum Qualitätsmanagement und einen klaren Ansprechpartner. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur B2B-Leadgenerierung.

Wie bauen Sie Pharma-Marketing in fünf Schritten auf?

Sie starten mit einer Liste der Unternehmen, die Ihr Produkt qualifizieren müssten, und mit den Fragen, die deren Fachabteilungen stellen. Erst danach wählen Sie Kanäle und Inhalte.

Zielkunden und Buying Center festlegen

Welche Hersteller, Standorte und Produktionslinien passen zu Ihnen? Notieren Sie, wer mitentscheidet: Entwicklung, Qualitätssicherung, Regulatory Affairs und Einkauf.

Regulatorischen Rahmen klären

Prüfen Sie mit Ihrer Rechtsabteilung, ob das HWG greift und welche Aussagen Sie öffentlich machen dürfen. Legen Sie fest, wer Inhalte vor der Veröffentlichung freigibt.

Qualifizierungsunterlagen auffindbar machen

Jedes Produkt braucht eine eigene Seite mit Spezifikationen, Anwendungsbereich, zertifikaten und einen Weg zu weiteren Unterlagen auf Anfrage.

Fachexperten sichtbar machen

Ihre Anwendungstechniker und Entwickler sind glaubwürdiger als jede Unternehmensseite. Planen Sie regelmäßige Fachbeiträge ber deren LinkedIn-Profile.

Anfragen sauber übergeben

Legen Sie fest, wann eine Anfrage an den Vertrieb geht, wer Muster versendet und wie schnell Sie antworten. Ein CRM macht diesen Weg sichtbar.

Erst prüfen, dann investieren.

In der Strategieberatung prüfen wir Website, Kanäle und Vertriebsprozess und zeigen Ihnen die drei wichtigsten Hebel für Ihr Pharma-Marketing.

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Woran messen Sie den Erfolg von Pharma-Marketing?

Sie messen den Erfolg an qualifizierten Anfragen, Muster- und Unterlagenanfragen sowie Auditterminen. Reichweite und Follower zeigen nur, ob ein Kanal anläuft. Weil Projekte in Pharma und Medizintechnik lange dauern, verfolgen Sie zusätzlich den Wert der offenen Projekte, die über Marketing entstanden sind.

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